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QINGSHAN TEEGARTEN / Chenzhou-JIETAN COMPANY

Der Teegarten Qingshan (Landwirtschaft und Vorverarbeitung) und die Betreiberfirma Chenzhou-Jietan (Management und Endverarbeitung) befinden sich in der chinesischen Provinz Hunan im Verwaltungsbezirk Yuanling.

Der Teegarten liegt auf einer Halbinsel inmitten eines Stausees. Man erreicht die Insel mit einem Fährschiff. Die meisten Güter werden ebenfalls per Schiff transportiert. Mit der Unterstützung von Fairbiotea wurde 2013 eine Straße fertiggestellt, über die die Halbinsel seitdem ebenfalls erreichbar ist.

Auf der Halbinsel Qingshan existieren ca. 200 Bauernhaushalte, davon 65 direkt im Qingshan-Teegarten. 49 dieser Haushalte haben vom Staat ein unentgeltliches, lebenslanges Nutzungsrecht, eine Art Erbpacht, für eine kleine Fläche des Teegartens erhalten, das in der Familie weitervererbt wird. In den höheren Lagen der Halbinsel befinden sich noch zwei Dörfer, Yubuxi und Chakoutan. Auf der Halbinsel leben ca. 370 überwiegend alte Menschen.

Traditionell lebten bis zu drei Generationen unter einem Dach: die Großeltern, ein bis zwei Elternpaare und dazu ein bis zwei Kinder.

Nach dem großen wirtschaftlichen Erfolg Chinas hat sich die Situation auf dem Land verändert. Heute leben kaum noch junge Erwachsene in dem Teegarten. Diese leben und arbeiten meist in den Städten, da es dort bessere Verdienstmöglichkeiten für sie gibt.

Auf der Halbinsel leben heute überwiegend die Großeltern mit ihren Enkelkindern. Die Großeltern bewirtschaften Gemüsegärten, fischen und halten ein bis zwei Schweine zur Selbstversorgung. Viele erhalten Zuwendungen von ihren Kindern, die in der Stadt leben. Die wenigen Menschen im Erwerbsalter arbeiten in umliegenden Betrieben.

Da es in Qingshan keine Schule gibt, besuchen die Kinder Schulen in der Umgebung. Es gibt Grundschulen (1. bis 6. Klasse) und zwei Mittelschulen (7. bis 9. Klasse), die jedoch für die Kinder nicht täglich erreichbar sind. Die Schulkinder verbringen die Schulwoche im Internat und fahren am Wochenende nach Hause. Es gibt eine neunjährige Schulpflicht. Während dieser Zeit ist der Schulbesuch an staatlichen Schulen kostenlos. Wenn eine Unterbringung im Internat notwendig ist, müssen die Eltern jedoch für die Unterkunft und Verpflegung im Internat aufkommen. Der Besuch von Kindergärten und weiterführenden Schulen muss von den Eltern finanziert werden.

Alle 49 Haushalte mit staatlich garantiertem lebenslangen Nutzungsrecht haben sich im Jahr 2005 entschlossen, ihre Teeanbauflächen gegen eine Pachtgebühr an den Teeproduzenten Chenzhou-Jietan zu verpachten und diesem das Management und die Bewirtschaftung der Anbauflächen zu überlassen. Dadurch wurden ein professionelles Qualitätsmanagement und die Umsetzung der EU-Vorschriften für den ökologischen Landbau möglich.

Für die bisherigen Kleinbauern hat die Verpachtung verschiedene Vorteile. Selbständige Kleinbauern genießen in China kaum rechtlichen Schutz und werden häufig von den Händlern, die ihnen die Ware abnehmen, ausgebeutet. Das Einkommen, das die ehemaligen Kleinbauern als Arbeitnehmer bei Chenzhou-Jietan erzielen ist deutlich höher als das Einkommen, das sie als selbstständige Kleinbauern erreichen können. Das Einkommen eines selbständigen Kleinbauern im Teeanbau beträgt oft nur 20 Prozent dessen, was er als Arbeitnehmer bei einem Teeproduzenten verdient.

Derzeit arbeiten ca. 70 Personen aus dem Wohnumfeld des Teegartens mit Kurzzeit- oder Langzeitarbeitsverträgen für die Firma Chenzhou-Jietan. Sie arbeiten in der Landwirtschaft, bei der Tee-Ernte und bei der Teeverarbeitung in der Vorverarbeitungsfabrik oder in der Endverarbeitungsfabrik. Chinesische Unternehmen sind verpflichtet, allen Beschäftigten einen Arbeitsvertrag auszustellen. Das chinesische Arbeitsrecht garantiert außerdem einen Mindestlohn sowie eine gesetzliche Kranken-, Renten- und Unfallversicherung. Der derzeitige Mindestlohn in China liegt bei ca. 200 Euro monatlich. Qualifizierte Dauerbeschäftigte in den Teeverarbeitungsfabriken erhalten oft das Drei- bis Vierfache des Mindestlohns.

Die restlichen ca. 300 Bewohner der Halbinsel arbeiten für andere Betriebe in der Umgebung oder als Saisonkräfte oder sind aufgrund ihres hohen Alters und/oder Krankheit nicht mehr arbeitsfähig.

Inzwischen gibt es wie in Europa auch in China Zeitarbeitsfirmen, die Arbeitskräfte an Betriebe vermitteln. In der Hochsaison hat die Firma Chenzhou-Jietan einen deutlich erhöhten Arbeitskräftebedarf für das landwirtschaftliche Management, die Tee-Ernte und die Teeverarbeitung. Die zusätzlich benötigten Arbeitskräfte werden aus dem Umland angeworben oder über Zeitarbeitsfirmen vermittelt. Wie alle anderen Unternehmen sind auch die Zeitarbeitsfirmen an chinesisches Arbeitsrecht gebunden und zur Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns verpflichtet.

Sowohl langfristig Beschäftigte als auch Saisonarbeitnehmer haben deutliche Vorteile gegenüber den Menschen, die als selbständige Kleinbauern tätig sind.

Soziale Standards

Das chinesische Arbeitsrecht und die chinesischen Mindestlöhne sind beispielhaft für andere teeproduzierende Länder. Leider gelten diese Standards nur für Plantagenbetriebe (sog. Company-Betriebe) wie den Qingshan-Teegarten bzw. die Firma Chenzhou-Jietan als Pächterin und Betreiberin des Teegartens. Plantagenbetriebe sind verpflichtet, allen Arbeitnehmern einen Arbeitsvertrag auszustellen.

Leider profitieren die vielen selbständigen Kleinbauern in der Teelandwirtschaft, die nicht in einem Unternehmen beschäftigt sind, nicht vom chinesischen Arbeitsrecht und den geltenden Mindestlöhnen. Sie werden in der Regel von den Händlern, die ihnen den Tee abnehmen, ausgebeutet. Die größte Menge des Tees, der nach Europa exportiert wird, stammt von den vielen unterdrückten scheinselbständigen Kleinbauern, denn nur durch Ausbeutung können die Preise so niedrig gehalten werden wie es in Europa erwartet wird. Die Kleinbauern verdienen oft weniger als 50 Euro im Monat, was deutlich weniger ist als der Verdienst eines Arbeiters in Plantagenbetrieben wie dem Qingshan-Teegarten bzw. Chenzhou-Jietan Company.

Sozialstandards nach chinesischem Arbeitsrecht, die auch für den Qingshan-Teegarten und die Chenzhou-Jietan-Fabriken gelten

Gesetzlicher Mindestlohn, Tarif für Landbevölkerung
Für alle Beschäftigten 1390 RMB (ca. 180 Euro) pro Monat. Es wird auch übertariflich bezahlt. Ausgebildete Fachkräfte, z.B. in der Endverarbeitungsfabrik, erhalten bis zu 4500 RMB (ca. 580 Euro) pro Monat.
Gesetzliche Rentenversicherung
20% der Lohnsumme zahlt der Arbeitgeber, 8% der Arbeitnehmer
Gesetzliche Krankenversicherung
8% der Lohnsumme zahlt der Arbeitgeber, 2% der Arbeitnehmer
Gesetzliche Unfallversicherung
0,5% der Lohnsumme zahlt der Arbeitgeber, 0,5% der Arbeitnehmer
Gesetzliches Arbeitsrecht
Geltend für alle Arbeitnehmer
Arbeitsverträge
Saisonarbeiter (Erntehelfer) erhalten kurzfristige Arbeitsverträge für die Zeit der Erntesaison, alle anderen Beschäftigten erhalten langfristige Arbeitsverträge.
Arbeitszeit
Die tägliche Arbeitszeit beträgt 8 Stunden an 5 Arbeitstagen in der Woche.
Überstunden
Während der Erntesaison werden Überstunden geleistet, die während der erntefreien Zeit ausgeglichen werden können. Überstunden an Werktagen werden mit dem 1,5-fachen vergütet, Wochenenden mit dem 2-fachen und Feiertage mit dem 3-fachen.
Urlaubsanspruch
Ein Urlaubsanspruch besteht für die gesetzlichen Feiertage an 11 Tagen im Jahr.

Gewerkschaften sind im gesetzlichen Rahmen erlaubt und sollen die Rechte der Arbeitnehmer schützen. Betriebliche Gewerkschaftskomitees können von den Mitarbeitern gegründet werden, wenn im Unternehmen 25 oder mehr Gewerkschaftsmitglieder arbeiten. Die Gewerkschaftsvertreter werden von einer dem Betrieb übergeordneten Behörde ernannt. Hauptaufgabe der betrieblichen Gewerkschaftskomitees ist die Bündelung und Vertretung der Interessen der Arbeitnehmer, immer auch mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens. Nicht Arbeitskämpfe sind das Ziel, sondern es wird ein Ausgleich von Arbeitnehmer- und Unternehmensinteressen verfolgt und ganzheitliche Lösungen angestrebt.

Die betrieblichen Gewerkschaftskomitees unterstützen die Gründung von Betriebsräten im Unternehmen. Anders als die Gewerkschaftsvertreter werden die Betriebsräte von allen Arbeitnehmern im Unternehmen gewählt. Der Betriebsrat ist nicht ständig aktiv, sondern tritt in bestimmten Abständen als Gremium zusammen.

Die Beschäftigten des Qingshan-Teegartens haben von diesem Recht keinen Gebrauch gemacht, weshalb dort kein Betriebsrat existiert.

2016 erhielt der Qingshan-Teegarten eine UTZ-Nachhaltigkeitszertifizierung. Obwohl Nachhaltigkeitszertifizierungen den Produzenten und Arbeitern bis heute wenig inhaltlichen Nutzen bringen, hoffen wir auf eine positive künftige Weiterentwicklung, die die Nachhaltigkeit in dem Teegarten fördern wird. Es ist bereits bekannt, dass UTZ ab 2019 eine Kooperation mit Rainforest Alliance eingehen wird. Dann wird voraussichtlich der Name UTZ wegfallen und nur noch der Name Rainforest Alliance fortbestehen.