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LEBEN UND ARBEITEN IN DEN TEEGÄRTEN

Das traditionelle chinesische kleinbäuerliche Modell im Vergleich zu dem modernen chinesischen Plantagenmodell

Das traditionelle chinesische kleinbäuerliche Modell

Kleinbäuerliche chinesische Teefarmen können Gruppenzertifizierungen für ökologischen Landbau, Fairtrade, Nachhaltigkeit, Qualitäts- und Hygienemanagement erhalten. Eine praktische Umsetzung der mit einer Zertifizierung verbundenen Maßnahmen ist in einer kleinbäuerlichen Struktur jedoch kaum möglich.

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In der Volksrepublik China ist Grundbesitz dem Staat vorbehalten. Traditionell besitzen selbständige Kleinbauern landwirtschaftliche Erbpachtflächen in unterschiedlicher Größe zwischen ca. 0,1 und 2 Hektar pro Familie, die der Staat ihnen kostenlos zur Erwirtschaftung ihres Lebensunterhalts überlassen hat. Häufig sind Teeplantagen in 50 bis 100 Einzelflächen für entsprechend viele Kleinbauernfamilien aufgeteilt.

Die Nutzung der Erbpachtflächen ist den Bauern ein Leben lang garantiert und wird innerhalb der Familie weitervererbt. Die Kleinbauern allein dürfen über dieses Land verfügen, es sei denn, die Bauern verpachten das Land an andere Bauern oder an landwirtschaftliche Produzenten bzw. Plantagenbetriebe (sog. Company-Farmen).

Die Kleinbauern gelten wie überall in der Welt als Selbständige, deshalb gilt für sie weder chinesisches noch internationales Arbeitsrecht, noch ILO (International Labour Organisation) -Standards, noch gesetzlicher Mindestlohn. Die Bauern sind weder gesetzlich kranken- noch rentenversichert. Für eine private Absicherung fehlt ihnen normalerweise das Geld. Das kleine Stück Land muss die Bauern auch im Alter ernähren. Häufig bauen sie, meist konventionell, Gemüse an und halten 1 bis 2 Schweine, Hühner, Ziegen etc. um ihren Lebensmittelbedarf zu sichern.

Um etwas Geld für die täglichen Notwendigkeiten des Lebens zu verdienen, verkaufen sie den Tee, der traditionell auf ihren Flächen kultiviert wird. Meist erzielen sie schlechte Preise, weil die chinesischen Händler, die den Tee aufkaufen, die Rechtlosigkeit und die Armut der Kleinbauern ausnutzen und sie ausbeuten. Das Einkommen, das die Bauern mit ihrem Tee erzielen, liegt oft unter 50 Euro monatlich.

Die Familien leben entweder in nahegelegenen Dörfern oder in einzeln stehenden einfachen Häusern auf ihren Anbauflächen. Jede Familie arbeitet für sich selbst. Innerhalb der kleinbäuerlichen Strukturen in der chinesischen Teelandwirtschaft gibt es üblicherweise kein Management, dem sich die Familien gemeinsam unterordnen. Allenfalls verarbeiten die Bauern ihren Tee gemeinsam in einer Vorverarbeitungsfabrik, sofern diese in gemeinschaftlichem Besitz ist und nicht einem Unternehmen gehört. Überwiegend wird der Tee von Unternehmen aufgekauft und in deren Fabriken verarbeitet.

Einige Bauern gehen neben der Arbeit in ihrer eigenen Landwirtschaft anderen Tätigkeiten nach, als Tagelöhner in der Landwirtschaft oder auf dem Bau oder sie finden eine Dauerbeschäftigung in einer Vorverarbeitungsteefabrik oder in einer der umliegenden Endverarbeitungsteefabriken, die von Unternehmen betrieben werden.

Mit dem wirtschaftlichen Erfolg Chinas hat eine große Landflucht eingesetzt. Die jungen Familienmitglieder sind als Wanderarbeiter unterwegs oder haben sich in den Städten niedergelassen, wo sie ein Einkommen erzielen können, das oft 10 bis 20-mal höher ist als das Einkommen aus der elterlichen Teelandwirtschaft.

Die Kinder der Abgewanderten leben bei den Großeltern auf dem Land und gehen dort zur Schule. Der Schulbesuch der staatlichen Schulen ist bis zur 9. Klasse kostenlos. Einmal jährlich zum Frühlingsfest kommen die Familien in ihrer Heimat zusammen. Die Kinder sehen ihre in den großen Städten arbeitenden Eltern oft nur einmal im Jahr für wenige Tage.

Die in den Teefarmen tätigen Kleinbauern sind häufig über 50 Jahre alt und können die schwere körperliche Arbeit in der Landwirtschaft nur noch bedingt verrichten. Da sie kaum Anspruch auf staatliche Sozialleistungen haben, sind sie gezwungen die landwirtschaftliche Arbeit bis zum Lebensende zu leisten oder sie verpachten ihr Land und bekommen zusätzlich Zuwendungen von ihren abgewanderten Familienmitgliedern.

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Die beschriebenen traditionellen kleinbäuerlichen Strukturen im chinesischen Teeanbau sind ein gesellschaftliches Auslaufmodell.

Schon aus Altersgründen haben die Kleinbauern kein Interesse am ökologischen Teeanbau, denn der ökologische Anbau bedeutet körperlich härtere Arbeit als der konventionelle Anbau, ohne dass sie den Mehraufwand entsprechend vergütet bekommen.

Zudem gibt es einen Flickenteppich aus Flächen in dem manche Bauern konventionellen Anbau und andere Bioanbau betreiben. Die biologisch angebaute Ware kann kaum effektiv von der konventionellen Ware getrennt werden, noch kann der ökologische Anbauprozess erfolgreich organisiert, kontrolliert und umgesetzt werden.

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Die Vorverarbeitungsfabriken und Herstellungsmaschinen der Kleinbauernteefarmen sind häufig veraltet und oft in einem für die Herstellung von Lebensmitteln für den europäischen Markt ungenügenden hygienischen Zustand. Die Bauern verfügen über keinerlei Wissen über ökologischen Teeanbau, außer dass die Biozertifikatinhaber ihnen den Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel vorschreiben. Inhaber der Biozertifikate für die landwirtschaftlichen Flächen der Kleinbauern und für die Vorverarbeitungsfabrik sind oft die Betreiber der Endverarbeitungsfabriken, Plantagenbetreiber, Teehändler oder Exporteure, die auch die Kosten der Zertifizierung tragen.

Schulungen im ökologischen Landbau für die Kleinbauern sind häufig wegen mangelnder Bildung nicht möglich oder finden aus Desinteresse der Beteiligten oder aus Kostengründen nicht statt.

Zwar erklären sich die Bauern im Rahmen der Gruppenzertifizierung mit ihrer Unterschrift bereit, ökologischen Landbau zu betreiben, doch sie handeln nicht aus eigenem Antrieb und werden oft zur Unterschrift von Dokumenten gezwungen, die sie aufgrund mangelnder Bildung häufig nicht verstehen.

Selbst wenn ein Teil der Kleinbauern die wesentlichen Regeln des ökologischen Anbauprozesses einhält, gibt es immer auch Bauern, die sich offen oder insgeheim gegen die Ausbeutung auflehnen und gegen die Anweisungen bezüglich des ökologischen Landbaus verstoßen. Beispielsweise betreibt üblicherweise nur ein Teil der Bauern die im ökologischen Landbau vorgeschriebene manuelle Unkrautbeseitigung, da sie eine deutliche körperliche Mehrbelastung darstellt.

Die für den ökologischen Anbau vorgeschriebene Dokumentation wird oft von den Biozertifikatinhabern gefälscht, um die bürokratischen EU-Vorgaben zu erfüllen.

Die für die Gruppenzertifizierung von Kleinbauern notwendige Benennung von Managern des internen Kontrollsystems (ICS-Manager) besteht oft nur auf dem Papier. In der Praxis findet eine interne Kontrolle kaum statt. Die benannten ICS-Manager sind meist ungebildet und besitzen keine ausreichenden Kenntnisse über die Vorschriften im ökologischen Landbau.

Zudem können die Teeanbauflächen aus rechtlichen Gründen weder von ICS-Managern noch von den Biozertifikatinhabern effektiv kontrolliert werden. Die Anbauflächen gehören dem Staat und nur die selbständigen Kleinbauern haben das Recht, diese zu kontrollieren. Der Zertifikatinhaber ist zwar gegenüber den Biokontrollstellen verantwortlich, kann aber nach chinesischem Recht die Flächen nur kontrollieren, wenn er sie von den Bauern pachtet. Dann würde er die Teeplantage als Company-Farm betreiben, alle betroffenen Teebauern müssten einen Arbeitsvertrag erhalten sowie einen gesetzlichen Mindestlohn. So sieht es der Gesetzgeber vor. Die Finanzierung eines angestellten Teebauern ist jedoch für den Betreiber einer Company-Farm mindestens fünfmal teurer als wenn er den Tee vom selbständigen Kleinbauern kauft. Das widerspricht natürlich dem wirtschaftlichen Denken der Unternehmer.

Unter den in den kleinbäuerlichen Teeplantagen herrschenden Bedingungen ist ein ökologischer Landbau nach EU- Verordnung nicht umsetzbar. Korruption bei chinesischen Bioinspekteuren, Ausbeutung, Zwang und Angst sind keine Basis für die Einhaltung von Vorschriften im ökologischen Anbau.

Ein risikoorientiertes Qualitätsmanagement oder Hygienemanagement ist nicht oder kaum möglich. Und ein bis zwei Farminspektionen pro Jahr durch die Drittlandkontrollstellen und die Inhaber der Gruppenzertifikate reichen bei weitem nicht für eine effektive Kontrolle aus. In dem derzeitigen EU-Kontrollsystem ist es außerdem nicht möglich auch nur einen Bruchteil der Verstöße gegen die Vorschriften des ökologischen Landbaus aufzudecken.

Die niedrigen Produktpreise, die aufgrund der Nichteinhaltung von Vorschriften, fehlenden Qualitätsmanagements und auf der Grundlage von Ausbeutung der Kleinbauern möglich sind, schaden weltweit allen Biounternehmen, die nachhaltig arbeiten möchten.

Es gibt einen unfairen Wettbewerb zwischen den nachhaltig wirtschaftenden ökologischen Produzenten (Company-Farmen/Plantagenbetriebe), die wegen einer fairen Behandlung ihrer Mitarbeiter und eines besseren Qualitätsmanagements höhere Kosten haben und den Händlern, die Kleinbauern ausbeuten und die niedrige Produktionskosten haben, weil sie die Biovorschriften in der Praxis nur soweit beachten wie es zur Aufrechterhaltung der Biozertifizierung unbedingt erforderlich ist. Der europäische Markt bevorzugt die Bioprodukte mit dem günstigsten Preis und die europäische Gesetzgebung unterstützt diesen Missstand aufgrund von Unkenntnis über die kulturell bedingt unterschiedlichen Strukturen in China und in Europa.

Die Problematik ist den meisten Importeuren, Behörden und Akkreditierungsstellen nicht bewusst, denn das bestehende Kontrollsystem führt nicht zu mehr Nachhaltigkeit, Transparenz und der Möglichkeit für Importeure, ihre Bioware vollständig zurückzuverfolgen. Die Mehrzahl der Importeure kennt die landwirtschaftlichen Betriebe, von denen ihre Ware stammt, nicht. Dies wäre jedoch wichtig, um risikoreiche kleinbäuerliche Betriebe von nachhaltig wirtschaftenden Betrieben unterscheiden zu können.

In der Regel erfährt ausschließlich die Biokontrollstelle, aus welchen Strukturen und aus welchem landwirtschaftlichen Betrieb die Ware stammt.

Da in kleinbäuerlichen Strukturen kein Qualitätsmanagement stattfindet und die Biosicherheit nicht gewährleistet ist, dürften Kleinbauern keine Biozertifizierung erhalten. Die Kontrollstellen halten jedoch an der risikoreichen Gruppenzertifizierung fest, entweder, weil sie selbst betriebswirtschaftlich arbeiten müssen oder weil sie aufgrund korrupter Inspekteure, die sich bestechen lassen und Inspektionsberichte fälschen, die wahren Zustände in den Farmen nicht kennen.

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Fairbiotea fordert ein nationales und internationales Arbeitsrecht und Mindestlöhne oder bedingungslose Grundeinkommen weltweit, nicht nur für Arbeiter mit einem Arbeitsvertrag, sondern auch für selbständige Kleinbauern und alle anderen Scheinselbständigen, damit Sklaverei, Ausbeutung und extreme Armut beseitigt werden. Nur durch gesetzliche Reglungen können Ausbeutung verhindert, Produktpreise stabilisiert und Produktsicherheit hergestellt werden. Die privaten Zertifizierungsstellen alleine sind nicht in der Lage für faire Arbeitsbedingungen und Produktsicherheit zu sorgen.

Das moderne chinesische Plantagenmodell (Company-Farmen)

Moderne chinesische, unternehmensgeführte Teeplantagen, sogenannte Company-Farmen, sind für den ökologischen Landbau geeignet, weil sie in allen Unternehmensbereichen über ein professionelles Management verfügen, das mit den Vorschriften des ökologischen Landbaus und dessen Zertifizierung vertraut ist.

Die landwirtschaftlichen Flächen und alle Teefabriken sind effektiv kontrollierbar und es gibt ein Qualitätsmanagement, das für eine positive Weiterentwicklung sorgt. Investitionen in die Modernisierung von Produktionsstätten und in die Verbesserung von Strukturen finden statt, können finanziert werden und werden vom chinesischen Staat finanziell unterstützt. Zertifizierungen für Qualitäts- und Hygienemanagement, ökologischen Anbau und Nachhaltigkeit sind vorhanden oder werden angestrebt. Maßnahmen für Umwelt- und Klimaschutz werden eingeleitet.

Plantagenbetriebe sind dem gesetzlichen Arbeitsrecht unterworfen, an den gesetzlichen Mindestlohn gebunden und dürfen Mitarbeiter nur mit einem Arbeitsvertrag beschäftigen. Eine Renten-, Kranken- und Unfallversicherung sowie eine faire Entlohnung für alle Mitarbeiter sind in diesen Unternehmen gesetzlich gewährleistet.

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Da Grundbesitz dem chinesischen Staat vorbehalten ist, pachten Plantagenbetriebe (meistens Betreiber der lokalen Tee-Endverarbeitungsfabriken) mit dem Einverständnis der Kleinbauern die landwirtschaftlichen Erbpachtflächen von allen Kleinbauern eines Teegartens und gewinnen so die rechtliche Kontrolle über die landwirtschaftliche Fläche und die Vorverarbeitungsfabrik. Die Kleinbauern erhalten dann gemäß den chinesischen gesetzlichen Vorschriften einen Arbeitsvertrag und einen Mindestlohn. Dieser verspricht den Bauern ein mindestens fünfmal höheres Einkommen als sie es durch die Arbeit als selbständiger Kleinbauer erreichen können. Zusätzlich zum Mindestlohn erhalten sie Pachteinahmen. Die Arbeitsverhältnisse sind fair und erfüllen die Arbeits- und Sozialstandards der Internationalen Arbeitsorganisation ILO (International Labour Organisation). Das chinesische Arbeitsrecht ist in weiten Teilen mit dem deutschen Arbeitsrecht vergleichbar.

Wie die Bauern erhalten alle Mitarbeiter im landwirtschaftlichen Prozess sowie in der Verarbeitung und in der Verwaltung Saison- oder Dauerarbeitsverträge. Zusätzlicher Arbeitskräftebedarf wird von Zeitarbeitsfirmen (teilweise durch Wanderarbeiter) abgedeckt. Die Mitarbeiter in den Fabriken und in der Verwaltung erhalten überwiegend Dauerarbeitsverträge. Für alle Arbeitsverhältnisse gilt chinesisches Arbeitsrecht und die Zahlung eines Mindestlohns.

Der chinesische Staat beteiligt sich langfristig finanziell an der Modernisierung der Company-Farmen und zahlt erhebliche Beträge für den Umweltschutz an die Unternehmen selbst und an die lokale politische Verwaltung, wenn zertifizierter Ökolandbau betrieben wird.

Alle Produktionsstätten und die ökologischen landwirtschaftlichen Flächen unterliegen der Kontrolle des Unternehmensmanagements. Dadurch wird der ökologische Prozess organisierbar, kontrollierbar und nachhaltig entwicklungsfähig.

Die Unternehmen investieren in nachhaltige Entwicklung, setzen Manager ein und bilden Mitarbeiter aus, die den ökologischen landwirtschaftlichen Prozess und die Verarbeitung in den Teefabriken organisieren und kontrollieren.

Es erfolgen Investitionen in die Verbesserung der hygienischen Bedingungen in den Teefabriken. Bei Bedarf wird modernes Equipment angeschafft, um die Qualitätsanforderungen aus Europa zu erfüllen. Bei Problemen im risikoorientierten Qualitätsmanagement, z.B. bei Umweltkontaminationen, werden Investitionen und Maßnahmen ergriffen, um Kontaminationen zu minimieren und zu vermeiden. Das Risiko- und Qualitätsmanagement in chinesischen Company-Farmen ist noch nicht auf europäischem Niveau, entwickelt sich aber in diese Richtung. Die Plantagenbetriebe verfügen fast immer über zertifizierte Qualitäts- und Hygienemanagementsysteme, um ein hohes Maß an Produktsicherheit sicherstellen zu können.

Die Unternehmensmanager sind für die Verwaltung und die Dokumentation in allen Unternehmensbereichen verantwortlich und implementieren die vorgeschriebenen ökologischen Prozesse und alle Zertifizierungen. Es gibt gebildetes Personal, das über das nötige Wissen im ökologischen Landbau verfügt, in der Lage ist, die erforderlichen Dokumentationen durchzuführen und Mitarbeiter anzuleiten.

In Company-Farmen verläuft der ökologische Anbau und die Verarbeitung verglichen mit den gruppenzertifizierten kleinbäuerlichen Betrieben auf einem professionelleren Niveau und mit einem relativ hohen Maß an ökologischer Prozesssicherheit, da der vorgeschriebene Prozess bekannt ist und umgesetzt und kontrolliert werden kann.

Die Mitarbeiter dieser Unternehmen gefährden den ökologischen Prozess nicht, indem sie z.B. Herbizide auf eigene Rechnung beschaffen, damit sie sich die körperliche Arbeit beim manuellen Unkrautjäten sparen, wie das bei kleinbäuerlichen Betrieben oft der Fall ist, da sie vom Management kontrolliert werden und vernünftig bezahlt werden.

Viele Unternehmen verfügen über Biozertifikate für die gesamte Herstellungskette, Landwirtschaft, Vorverarbeitung, Endverarbeitung und teilweise auch für die Vermarktung und den Export. Das verkürzt die Wege, die Anzahl der beteiligten Betriebe und schafft ein höheres Maß an Produkt- und Zertifizierungssicherheit.

Inzwischen verfügen einige Betriebe auch über UTZ- und Rainforest Alliance-Nachhaltigkeitszertifikate. Die Organisation Fairtrade verweigert diesen Unternehmen leider die Zertifizierung, obwohl es dort im Gegensatz zu den kleinbäuerlichen Betrieben, die von Fairtrade zertifiziert werden, sehr fair zugeht.

Plantagenbetriebe sind weitgehend zur Kooperation mit europäischen Importunternehmen bei der Entwicklung von Nachhaltigkeit und Produktsicherheit bereit.

In den Tees dieser Unternehmen werden kaum noch unerlaubte Pflanzenschutzmittel gemessen, und wenn doch vereinzelt Rückstände gefunden werden, lassen sich diese meist auf Kreuzkontaminationen der benachbarten konventionell wirtschaftenden Farmen zurückführen, die trotz Sicherheitsabständen durch Winddrift entstehen können.

Die weltweit zunehmende Belastung der Umwelt mit Umweltchemikalien, die oft mit Pflanzenschutzmitteln verwechselt werden und die sowohl die landwirtschaftlichen Flächen als auch die Produkte selbst kontaminieren, stellen eine immer größere Herausforderung dar, weil eine Minimierung der Substanzen durch Maßnahmen der Unternehmen in den Herstellungsprozessen nicht immer möglich ist. Hier muss die internationale Politik mehr Verantwortung bei der Vermeidung von Umweltkontaminationen übernehmen. Das können selbst die besten Unternehmen nicht gewährleisten.

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Das internationale Wirtschaftssystem basiert auf hartem Wettbewerb statt auf Fairness und schadet deshalb oft den Produzenten, insbesondere in der Landwirtschaft. Die nachhaltige ökologische Produktion muss sich auch ökonomisch gewinnbringend für die nachhaltig arbeitenden Produzenten auswirken. Die europäischen Gesetze müssen auf die Probleme der nachhaltigen Produzenten eingehen und sie gegenüber ausbeuterischen Systemen fördern. Wenn das nicht passiert, werden nachhaltige Produzenten aus Rentabilitätsgründen gezwungen, die nachhaltige Produktion aufzugeben. Das schadet der Produktsicherheit, dem Umwelt- und dem Verbraucherschutz.

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Leider sind die europäischen Gesetze für den ökologischen Landbau oft kontraproduktiv: zu bürokratisch, zu wenig nachhaltig und fehlerhaft. Dadurch entstehen oft unlösbare Probleme, insbesondere bei der praktischen Kontrolle durch Drittlandbiokontrollstellen und für die Biosicherheit. Die nachhaltige ökologische Produktion muss ökonomisch sinnvoll für die Produzenten sein, sonst wird die Nachhaltigkeit nicht dauerhaft möglich sein. Der zu niedrige Teepreis, den europäische Unternehmen und Verbraucher von den Erzeugern erwarten und das fehlende europäische Bewusstsein, dass nachhaltiges Produzieren mit hohen Herstellungskosten verbunden ist, ist der größte Feind der Nachhaltigkeit und das größte Risiko für die Produktsicherheit. Wenn sie dauerhaft nachhaltige Produkte haben wollen, müssen die Europäer lernen, faire Preise zu zahlen, die den Herstellungskosten angepasst sind. Davon sind wir in Europa weit entfernt.

Der europäische Preisdruck, der auf die chinesischen Hersteller einwirkt und der ungleiche Wettbewerb mit den chinesischen Händlern, die ihren Tee billig, unter Ausbeutung von Kleinbauern und unter Missachtung aller Regeln beschaffen, hat negative Auswirkungen auf die ökonomische Sicherheit und das nachhaltige Verhalten der Company-Farmen und auf die Produktsicherheit. Wenn nachhaltig arbeitende Company-Farmen, die ökologische Vorschriften einhalten, ihre Mitarbeiter fair bezahlen und deshalb sehr viel höhere Herstellungskosten haben, realisieren, dass sie bei Erfüllung aller Anforderungen nicht kostendeckend arbeiten können, werden sie ohne eine ausreichende finanzielle Unterstützung durch europäische Unternehmen nicht in der Lage sein ihr Geschäftsmodell fortzusetzen.

Deshalb sind viele Company-Farmen schon dazu übergegangen, ihrerseits zusätzliche Mengen Tee unter ausbeuterischen Bedingungen billig von kleinbäuerlichen Betrieben einzukaufen, um diesen Tee mit den selbstproduzierten Tees zu mischen oder direkt zu exportieren, um auf diesem Weg wieder konkurrenzfähig zu werden und Einnahmeüberschüsse zu erzielen.

Das ist im Sinne der europäischen Bioverordnung legal und kein Importeur wird durch das europäische Kontrollsystem über solche Manipulationen informiert. Auf üblichem Wege erfahren europäische Importeure nichts über die tatsächliche Herkunft der importierten Tees.

Nur europäische Importeure, die Entwicklungspartnerschaften mit Company-Farmen, Drittlandkontrollstellen und Organisationen wie z.B. Fairbiotea (www.fairbiotea.de) eingehen und mit großen Importmengen und möglichst fairen Preisen die nachhaltig wirtschaftenden Produzenten langfristig finanziell absichern, können sich der Herkunft ihrer Tees aus nachhaltigem Anbau versichern.

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